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Frauen in Bewegung: zwischen zwei Welten

Dieses Projekt ist aus Begegnungen entstanden – aus Gesprächen, Blicken und Momenten, die geblieben sind.

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine begegne ich immer wieder Frauen, die ihre Heimat verlassen mussten und heute versuchen, in Deutschland ein neues Leben aufzubauen. Ich wollte ihnen nicht nur ein Gesicht geben, sondern Raum für ihre Geschichten schaffen.

So entstand „Frauen in Bewegung: zwischen zwei Welten“.

Im Mittelpunkt stehen rund 20 ukrainische Frauen mit ganz unterschiedlichen Lebenswegen, Berufen, Erfahrungen und Persönlichkeiten. Einige waren Lehrerinnen, Buchhalterinnen, Unternehmerinnen oder Fachkräfte, andere arbeiteten in ganz anderen Bereichen. Sie alle hatten ein eigenes Leben, einen vertrauten Alltag, Pläne und Menschen, die ihnen wichtig waren.

Der Krieg hat diese Leben unterbrochen.

Viele mussten innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen treffen, die niemand freiwillig treffen möchte: das eigene Zuhause verlassen, Angehörige zurücklassen, Kinder schützen und in einem fremden Land ganz neu anfangen. Manche konnten ihren beruflichen Weg fortsetzen, andere mussten sich völlig neu orientieren. Doch trotz aller Unterschiede verbindet sie etwas: die Bewegung zwischen dem, was verloren wurde, und dem, was neu entstehen soll.

Zwischen zwei Welten

„Zwischen zwei Welten“ beschreibt dabei nicht nur einen geografischen Ort.

Es ist ein innerer Zustand. Man lebt heute in Deutschland, arbeitet, lernt die Sprache, erzieht Kinder, findet neue Freunde und versucht, Alltag und Zukunft aufzubauen. Gleichzeitig bleibt ein Teil des eigenen Lebens in der Ukraine – bei der Familie, im früheren Zuhause, in Erinnerungen und in der Hoffnung auf Rückkehr.

Diese Spannung wollte ich sichtbar machen.

Nicht als dramatische Darstellung von Flucht, sondern als ehrlichen Blick auf Frauen, die trotz Verlust und Unsicherheit weiterleben, arbeiten, lernen, gestalten und Verantwortung übernehmen.

Nicht zuerst als Geflüchtete, sondern als Menschen.

Als Frauen mit Fähigkeiten, Erfahrungen, Würde und eigenen Entscheidungen. Als Menschen, die nicht nur Unterstützung benötigen, sondern längst selbst Teil der Gesellschaft sind und sie durch ihre Arbeit, ihr Wissen, ihr Engagement und ihre Kultur mitgestalten.

Drei Bilder – drei Perspektiven

 

 

 

 

 

Jede Frau wurde durch drei Fotografien vorgestellt.

Ein emotionales Porträt zeigt ihre Persönlichkeit und ihren individuellen Ausdruck. Ein weiteres Bild führt zurück zu ihrem beruflichen oder persönlichen Leben in der Ukraine. Das dritte zeigt ihre heutige Lebensrealität in Deutschland.

Die Fotos sind teilweise dokumentarisch, teilweise gemeinsam mit den Frauen entwickelt. Für einige Aufnahmen wurden frühere berufliche Situationen nachgestellt. Andere entstanden direkt an ihren heutigen Arbeitsplätzen in Deutschland.

Besonders wichtig war mir dabei die Aufrichtigkeit. Ich wollte keine Rollen schaffen, sondern Menschen zeigen, die in ihrem Leben stehen – mit ihrer Stärke, ihrer Unsicherheit, ihrem Können und ihren Gefühlen.

Die Porträts sind bewusst in Schwarz-Weiß fotografiert. Ohne die Ablenkung durch Farben richtet sich der Blick auf Gesicht, Augen und Ausdruck – auf das, was ein Mensch erzählt, ohne Worte zu benutzen.

Zu den Fotografien gehören persönliche Texte und Interviews. Sie erzählen von verlorenen Häusern und früheren Berufen, von neuen Arbeitsplätzen, Sprachbarrieren, Einsamkeit, Familie, Freundschaft, Hoffnung und dem Versuch, wieder einen eigenen Platz im Leben zu finden.

Ein Projekt über Begegnung

Die Ausstellung möchte nicht bei der Betrachtung von Fotografien stehen bleiben.

Sie lädt dazu ein, sich Zeit zu nehmen, zuzuhören und hinter jedem Gesicht einen Lebensweg zu erkennen. Vielleicht findet man in einer dieser Geschichten etwas Vertrautes: einen Verlust, einen Neubeginn, eine Angst, eine Hoffnung oder den Wunsch, irgendwo wieder anzukommen.

Die Geschichten der Frauen sind persönlich, aber sie stehen zugleich für eine größere gesellschaftliche Realität.

Sie stellen Fragen nach Integration, Identität, Zugehörigkeit und Sichtbarkeit. Integration ist dabei keine einseitige Aufgabe. Sie entsteht dort, wo Menschen aufeinander zugehen, wo Räume geöffnet werden und Fähigkeiten und Erfahrungen gesehen werden.

Diese Frauen leben heute mitten unter uns. Sie arbeiten, lernen, gründen Familien, engagieren sich und bauen sich ein neues Leben auf. Gleichzeitig tragen viele von ihnen ihre alte Welt weiterhin in sich.

Zwischen zwei Welten entsteht etwas Neues.

Die Ausstellung

Die Ausstellung umfasst rund 60 Fotografien und wurde erstmals in der Galerie Agon Kulturwerk in Passau gezeigt. Neben den Bildern gab es persönliche Texte, QR-Audios und begleitende Veranstaltungen, die Raum für Begegnung und Austausch geschaffen haben.

Die Ausstellung war von Anfang an nicht nur als Präsentation von Fotografien gedacht. Sie sollte ein lebendiger Ort sein – ein Ort, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen und ukrainische Kultur, Geschichten und persönliche Erfahrungen sichtbar werden.

Für mich ist dieses Projekt noch nicht abgeschlossen.

Die Geschichten dieser Frauen sind Teil unserer Gegenwart und verdienen es, bewahrt, gehört und weitergetragen zu werden. Deshalb soll das Projekt auch digital weiterleben und durch weitere fotografische Arbeiten wachsen.

Menschen hinter dem Projekt

Ein solches Projekt entsteht nicht allein.

Mein besonderer Dank gilt allen Frauen, die mir ihr Vertrauen geschenkt und sich auf diese persönliche Arbeit eingelassen haben. Es war eine besondere Erfahrung, mit jeder von ihnen zusammenzuarbeiten, ihre Geschichten kennenzulernen und gemeinsam die richtigen Momente für die Fotografien zu finden.

Ein besonderer Dank gilt auch Yaroslava Onufrik, ukrainische Journalistin und Medienfachfrau, die mich bei einem Teil der Interviews unterstützt hat. Durch ihre journalistische Erfahrung und ihre Gespräche mit den Frauen sind zusätzliche persönliche Geschichten entstanden, die dieses Projekt inhaltlich erweitert haben.

Ihre Mitarbeit war eine wichtige Unterstützung bei der Umsetzung dieses Teils des Projekts. Die Interviews wurden ausschließlich im Rahmen von „Frauen in Bewegung: zwischen zwei Welten“ geführt und sind Bestandteil dieses fotografischen Projekts.

Mein Dank gilt außerdem allen Menschen, die Räume zur Verfügung gestellt, bei den Aufnahmen geholfen, Kontakte ermöglicht, die Ausstellung unterstützt oder einfach an dieses Projekt geglaubt haben.

Und vor allem gilt mein Dank den Frauen selbst.

Sie haben mir nicht nur ihre Bilder gegeben.

Sie haben mir ihre Zeit, ihre Erinnerungen, ihre Verletzlichkeit und ihr Vertrauen gegeben.

Dafür bin ich ihnen dankbar.

Wie das Projekt weitergeht

Für mich ist dieses Projekt noch nicht abgeschlossen.

Die erste Ausstellung war ein wichtiger erster Teil von „Frauen in Bewegung: zwischen zwei Welten“. Sie hat mir gezeigt, wie viele unterschiedliche Lebensgeschichten hinter den Gesichtern ukrainischer Frauen in Deutschland stehen – und wie viel noch nicht erzählt ist.

Deshalb möchte ich das Projekt weiterführen und künftig weitere ukrainische Frauen porträtieren. Nicht, um die bereits entstandene Serie einfach zu vergrößern, sondern um weitere Lebenswege sichtbar zu machen, die genauso unterschiedlich und individuell sind.

Jede Frau bringt ihre eigene Geschichte mit: einen Beruf, den sie in der Ukraine hatte, einen Weg der Veränderung, persönliche Verluste, neue Erfahrungen, Fähigkeiten, Hoffnungen und Vorstellungen von Zukunft. Manche haben in Deutschland schnell einen neuen Platz gefunden, andere suchen ihn noch. Manche möchten zurückkehren, andere wissen noch nicht, wo ihr zukünftiges Zuhause sein wird.

Gerade diese Vielfalt möchte ich dokumentieren.

Ich möchte festhalten, wie sich das Leben ukrainischer Frauen in Deutschland entwickelt – nicht nur im Moment der Ankunft, sondern über die Zeit hinweg. Denn Integration, Neubeginn und die Suche nach einem neuen Zuhause sind keine einzelnen Ereignisse, sondern Prozesse, die sich verändern.

Die neuen Porträts sollen deshalb an die ursprüngliche Idee des Projekts anknüpfen und gleichzeitig neue Perspektiven hinzufügen. So kann aus der ersten Ausstellung nach und nach ein längerfristiges fotografisches Dokument über ukrainische Frauen in Deutschland entstehen.

Die Geschichten dieser Frauen sind Teil unserer Gegenwart und verdienen es, bewahrt, gehört und weitergetragen zu werden. Deshalb soll das Projekt auch digital weiterleben und durch weitere fotografische Arbeiten wachsen.

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