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In der Ukraine war ich lange auf der Suche nach meinem Platz im Leben. Ich hörte nie auf, nach einer Tätigkeit zu suchen, in der ich mich wirklich gebraucht fühlen und gleichzeitig Erfüllung finden konnte. Schließlich fand mich genau diese Aufgabe. Eine Aufgabe, in der sich meine Empathie und mein Wunsch, Menschen zu helfen, vollständig entfalten konnten.

Ich vermisse diese kleine „Macht“, wenn schon ein paar meiner Telefonanrufe das Problem eines Menschen lösen konnten, mit dem er lange allein gekämpft hatte. Die schönste Belohnung war die aufrichtige Dankbarkeit der Menschen – manchmal sogar Tränen der Freude und Erleichterung. In solchen Momenten hatte ich das Gefühl, etwas Kleines, aber wirklich Gutes und Wichtiges für diese Welt zu tun.

Erst in der staatlichen Einrichtung „Kontaktzentrum der Region Cherson“ wurde mir bewusst, dass jeder Mensch zwar nur ein kleines Zahnrad ist – aber selbst ein kleines Zahnrad kann Berge versetzen, wenn der Wille dazu stark genug ist.

Ich vermisse diese Zeit sehr.

Was dann geschah …

24.Februar 2022.

4:00 Uhr morgens.

Explosionen.

Ganz in der Nähe.

Vom Fenster meines Hauses aus sehe ich einen brennenden Militärstützpunkt.

Angst.

Fassungslosigkeit.

Mit meinem Sohn suche ich den nächstgelegenen Schutzraum vor dem Beschuss.

Fast drei Monate voller schlafloser Nächte in diesem Keller.

Besatzung.

Ich kann einfach nicht glauben, dass das wirklich geschieht, und versuche immer wieder, aus diesem Albtraum aufzuwachen.

Doch leider ist es kein Traum.

Schmerz.

Ungewissheit.

Das verlassene Zuhause.

Die erzwungene Flucht.

Ein halbes Jahr später hörte ich auf, jeden Morgen über die Nachrichten aus der Ukraine zu weinen. Ich musste mich zusammennehmen – für meinen Sohn und seine Zukunft. Trotz allem hat er das Recht auf ein glückliches Leben.

Ich lerne die Sprache, finde Arbeit und gewöhne mich Schritt für Schritt an das System des Landes, das uns Schutz gewährt hat.

Langsam kehrt Stabilität in mein Leben zurück. Es entstehen neue Pläne, kleine Träume und natürlich auch kleine Erfolge.

Meine Arbeit ist zwar ein völlig neuer beruflicher Weg für mich, aber sie erfüllt mich.

Ich lerne wieder etwas Neues – und das macht mir Freude.

Es fällt mir noch immer schwer, und ich verstehe die Sprache noch nicht gut.

Aber ich lebe.

Ich spüre wieder die Freude am Leben und glaube daran, dass alles gut werden wird.

                                                                                                                                                       Persönlicher Text: Nataly Matiasch

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