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Wie war dein Leben vor dem Krieg?

Vor dem Krieg war ich bereits seit 17 Jahren Unternehmerin. Mein Leben war sehr aktiv und erfüllt von Arbeit und persönlicher Entwicklung. Ich baute mein Unternehmen auf, gründete und führte Teams, lernte, reiste und wusste genau, wohin ich mich bewegen wollte.

Was hast du an dir selbst und an deinem früheren Leben in der Ukraine am meisten geliebt?

Ich liebte meine Stärke, meine Unabhängigkeit und die Verantwortung für mein eigenes Leben. In der Ukraine fühlte ich mich selbstbewusst, erfüllt und gebraucht. Alles, was ich hatte, hatte ich mit meinen eigenen Händen aufgebaut.

Erzähl ein bisschen über deinen Beruf und deine Arbeit in der Ukraine.

In der Ukraine war ich Inhaberin von drei Pole-Dance-Studios. Außerdem hatte ich ein Unternehmen für die Herstellung und den Verkauf von Kleidung und Accessoires für Pole Dance. Gleichzeitig studierte ich Psychologie und war Mitglied eines renommierten Business-Clubs in der Ukraine. Für mich war das eine Lebensaufgabe – eine Verbindung aus Körper, Psychologie, Business und weiblicher Stärke.

Was fehlt dir aus deinem Leben vor dem Krieg am meisten?

Am meisten fehlen mir das Gefühl von Zuhause, Stabilität und Sicherheit. Mir fehlen die Menschen, die mir nahestehen, und die Gewissheit, was der morgige Tag bringt.

Wann hast du verstanden, dass du das Land verlassen musst? Wolltest du jemals in Europa leben?

Ich wusste bereits am ersten Kriegstag, dass ich gehen musste. Mein Sohn und ich haben die Ukraine sofort gemeinsam verlassen, und seitdem war ich kein einziges Mal wieder zu Hause.

Vor dem Krieg hatte ich bereits eine Reise nach Europa geplant. Ich wollte ein bis drei Monate hier leben, um Erfahrungen zu sammeln und meinen Horizont zu erweitern. Ich hätte niemals gedacht, dass daraus eine erzwungene Emigration werden würde.

Was hast du mitgenommen, als du dein Zuhause verlassen hast – einen Gegenstand, eine Erinnerung, ein Foto, einen Geruch?

Ich nahm nur ein paar Sachen und das Lieblingsspielzeug meines Sohnes mit. Ich war überzeugt, dass wir nach drei oder vier Tagen wieder nach Hause zurückkehren würden. Doch als wir Charkiw verließen, sah ich hinter unserem Auto eine Explosion. In diesem Moment verstand ich, dass wir nicht so schnell zurückkehren würden, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Was hat dir geholfen, nicht zusammenzubrechen?

Mein Sohn. Ich bin allein mit meinem Sohn – und das bedeutet, dass ich nicht das Recht habe, zusammenzubrechen. Das ist einfach unmöglich.

Beschreibe deinen heutigen Alltag.

Mein heutiger Alltag besteht aus Arbeit, der Sorge um mein Kind, ständigem Planen und dem Wiederaufbau meines Lebens von Grund auf. Es bedeutet viel Verantwortung und Müdigkeit, aber auch kleine Erfolge, die mir die Kraft geben, weiterzumachen.

Wie verwirklichst du dich hier?

Hier verwirkliche ich mich weiterhin durch meinen Beruf. Ich baue wieder ein Unternehmen auf, eröffne ein Pole-Dance-Studio, arbeite mit Menschen und schaffe in einem anderen Land einen Raum der Unterstützung und Stärke für Frauen.

Hast du dich verändert? Und wenn ja, wie?

Ja, sehr. Ich bin stärker und geduldiger geworden, gleichzeitig aber auch verletzlicher. Ich habe gelernt, die einfachen Dinge zu schätzen und das Leben nicht auf später zu verschieben. Ich vertraue mir selbst mehr.

Früher habe ich immer alles allein geschafft. Jetzt habe ich gelernt, Hilfe dankbar anzunehmen. Ich habe verstanden, dass Unterstützung zu brauchen keine Schwäche ist, sondern ein Teil von Menschlichkeit und Reife.

Wovon träumst du heute?

Ich träume von Frieden. Von Sicherheit und Stabilität für meinen Sohn. Von der Weiterentwicklung meiner Arbeit. Und davon, eines Tages wieder das Gefühl von Zuhause zu spüren – unabhängig davon, in welchem Land.

                                                                                                                                                                            Fragenvorbereitung:

                                                                                                                   Slava Onufryk, ukrainische Journalistin und Volontärin

                                                                                                                                                           Persönlicher Text: Lilia Hapich

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