
Ich wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Mariupol geboren. Jahrzehntelang arbeitete ich als Konstruktionsingenieurin im Schwermaschinenbau, zog zwei Kinder groß und plante, mein ganzes Leben in meiner Stadt zu bleiben – für meine Enkel, für meine Freunde, für den Frieden, den ich dort kannte.
Der Krieg hat alles zerstört. Bis heute verstehe ich nicht, warum ich hungern musste, warum ich aus Angst fliehen musste, warum ich meinen Sohn, meine Schwester, mein Zuhause und mein ruhiges Leben verlor. Ich lebe weiter mit meiner Familie, aber das Gefühl von Heimat ist verschwunden – an seiner Stelle liegt Schmerz und Leere.
Um nicht aufzugeben, halte ich mich beschäftigt: Ich koche gerne, helfe meiner Tochter, unterstütze Freunde, die auch fliehen mussten, und jene, die in der Ukraine geblieben sind. Mein Herz bleibt bei meinem Land. Ich warte auf den Sieg.
Persönlicher Text: Nadiia Titarenko

